serendipity 32° DIE WITZ-ERFINDUNGS-KOMPETENZ

20 Nov

Implizites Wissen oder stilles Wissen (vom englischen tacit knowledge) bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, „können, ohne sagen zu können, wie“. Jemand „weiß, wie es geht“, aber sein Wissen steckt implizit in seinem Können, ihm fehlen die Worte, um dieses Können zu beschreiben oder es anderen verbal zu vermitteln. Ein Beispiel dafür ist die Fähigkeit, auf dem Fahrrad das Gleichgewicht zu halten. Wer das vermag, kennt – aber eben nur implizit – eine komplexe physikalische Regel, die Neigungswinkel, aktuelle Geschwindigkeit und Lenkeinschlag berücksichtigt.

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Bei näherer Betrachtung lassen sich vier Bedeutungen des Konzeptes „implizites Wissen“ unterscheiden:

1. „in actu implizit“ („intuitiv“): Eine Person handelt kompetent, ruft sich während des Handelns aber keine Handlungsregeln in Erinnerung, sondern agiert „automatisch“, „spontan“ oder „intuitiv“.Beispiel: Gedankenverloren bindet Hans Müller frühmorgens seine Krawatte, ohne sich daran erinnern zu müssen, wie das genau geht.

2. „nicht verbalisierbar“: Eine Person handelt kompetent, ruft sich während des Handelns aber keine Handlungsregeln in Erinnerung, sondern agiert „automatisch“, „spontan“ oder „intuitiv“. Auch im nachhinein kann sie auf Anfrage keine solchen Regeln benennen. Beispiel: Während Hans Müller seinem Sohn beim Frühstück durch einiges Nachdenken die Regeln des Krawattenbindens erläutern kann, scheitert er an folgender Frage seines Sohnes: „Papa, warum sagt man eigentlich laufen/gelaufen, aber nicht studieren/gestudiert?“ Obwohl Herr Müller das zweite Partizip Perfekt ständig richtig bildet, kann er die Regel, die er implizit kennt, nicht verbalisieren.

3. „nicht formalisierbar“: Eine Person handelt kompetent, ruft sich während des Handelns aber keine Handlungsregeln in Erinnerung, sondern agiert „automatisch“, „spontan“ oder „intuitiv“. Auch im nachhinein kann sie auf Anfrage keine solchen Regeln benennen. Das gilt aber nicht nur für den Handelnden, sondern auch für Beobachter, die versuchen, das fragliche Können über Regeln zu beschreiben. Beispiel: Müllers Kompetenz, das zweite Partizip Perfekt anzuwenden, ist zwar für ihn selbst nicht verbalisierbar. Aber ein Germanist kann die Regel nennen. Anders ist dies für eine andere Fähigkeit von Hans Müller. Er ist ungemein humorvoll und erfindet ständig neue Witze. Bis heute ist es nicht gelungen, Maschinen zu bauen, die ähnlich gute Witze erfinden können – weil niemand formalisieren kann, worin die Witzerfindungskompetenz genau besteht.

4. „erfahrungsgebunden“: Damit ist ein Wissen gemeint, das sprachlich nicht oder kaum weitergegeben werden kann. In solchen Fällen muss der Betreffende durch eigene Erfahrung oder am Modell lernen, das ihm vorzeigt, was nicht vorgesagt werden kann. Beispiel: Wer guten Nudelteig machen möchte, kann Rezeptbücher lesen. Aber in diesen Büchern steht offenbar nicht alles, was gute Teigköche wissen, weil dies nicht vollständig verbalisierbar ist. Das Gefühl für die richtige „Nässe“ des Teigs beispielsweise erwirbt man nur durch Erfahrung.

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Der Begriff des impliziten Wissens hat in den letzten Jahren eine beträchtliche Verbreitung erfahren. Allgemein wächst das Interesse am Intuitiven. In erstaunlich vielen Situationen erweisen sich intuitive Entscheidungen (oft mit Hilfe von unbewussten Faustregeln) erfolgreicher als systematische Abwägungsprozesse. Implizites, (noch) nicht in Begriffe verwandeltes und nur „gefühltes“ Wissen stellt, so wird angenommen, auch für Künstler häufig eine Quelle zur Produktion ihrer Werke dar.

Die Möglichkeiten und Grenzen der Explikation impliziten Wissens sind insbesondere dort von Bedeutung, wo Wissen von der Person abgelöst werden soll, um zum Beispiel menschliches Können technisch nachzubilden. Mit recht unterschiedlichem Erfolg wird versucht, implizites Wissen über Methoden des Knowledge Engineering über eine Prozesskette (Externalisierung, Strukturierung, Formalisierung und Kodierung) in explizites Wissen umzuwandeln.“

Quelle: wikipedia.org

Und das ist der Grund, warum wir bis heute von einer Witzeerzählmaschine verschont blieben und wohl auch in Zukunft bleiben werden! ;-)

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